Die Höhe, die wir während den letzten 2 Etappen gestiegen sind, werden wir heute weitgehend wieder absteigen, und folgen dabei meist direkt einer stark befahrenen Nationalstrasse. Im ersten Teil geht es hinunter ins Tal des Río Deva, die Talsohle erreichen wir beim Städtchen La Hermida. Auf diesem Weg hinunter in die Talsohle durchqueren wir einige Siedlungen, einige andere Siedlungen ober- und unterhalbunseres Weges liegen also nicht direkt am Weg, können aber doch in relativ kurzer Zeit erreicht werden.

In der Talsohle überqueren wir den Río Deva biegen links ab und folgen ihm entgegen seiner Strömung. Dabei haben wir auch den tiefsten Punkt der heutigen Etappe erreiicht.

. Flussaufwärts verlassen wir La Hermida durch die Schlucht oberhalb des Ortes, und folgen damit der Hauptstrasse, die ihrerseits dem Flussverlauf folgt. Da die Verhältnisse in der Schlucht eng sind, ist Vorssicht geboten. Zu unserer Rechten liegt der Nationalpark mit den Picos de Europa, wir wandern also an deren Fuss.

Wenn die Schlucht wieder breiter wird, begrüsst uns linkerhand die Iglesia de Santa María Lebeña, ein Zeuge eines Baustils mit arabischem Einfluss, ein Zeuge der Zeit, während der die arabischen Mauren vom Mittelmeer her kommend grosse Teile Spaniens bis weit in den Norden besetzt hielten. Dies war auch ein Grund, weshalb der klassische Pilgerweg Camino Francès damals durch die christlichen Pilger eine Zeitlang durch den Camino del Norte oder eben auch den Küstenweg ersetzt wurde.

In Lebaña können wir nochmals ausruhen und uns auch verpflegen, bevor wir den Rest der Etappe bis Tama unter die Schuhe nehmen, seit La Hermida immer leicht steigend.

Hinweis(e)

Der Camino del Norte (auch Küstenweg genannt) führt uns von der französisch/spanischen Grenze am Golf von Biskaya aus weitgehend der spanischen Nordküste entlang westwärts, um dann erst wenige Etappen vor Santiago landeinwärts die kantabrische Küste und somit den Atlantik zu verlassen. Dieser knapp 900 km lange Pilgerweg ist historisch gesehen älter als der heutige Camino Francès, da im Mittelalter der muslimische Einflussbereich noch weit in den Norden Spaniens reichte. Erst das Heer der Asturier unter dem Feldherrn Pelayo besiegte im 7. Jh die Mauren zum ersten Mal und drängte sie in den Süden zurück. Der Camino del Norte erlebt neuerdings aber wieder eine Renaissance, da viele Pilger dem Massentourismus auf dem Camino Francès ausweichen möchten.

Diese alternative Streckenführung von San Vicente de la Barquera bis Villaviciosa, wird bis zum Kloster Torribio «Camino de Santo Toribio» genannt, und danach als «Reconquista» (Fluchtweg der Mauren), die uns durch das gebirgige Hinterland führt. Höhepunkte dieser Alternative sind nebst dem gleichnamigen Kloster die beeindruckenden «Picos de Europa» im gleichnamigen Nationalpark, wo wir einige Tage wandern werden. Historisch interessant sind auch die Stätten, wo die Rückeroberung des von den Mauren besetzten Spaniens im 7. Jh. ihren Anfang nahm.